Feierabend? Von wegen – jetzt beginnt der Fußballtag
Ein persönlicher Einblick in meinen Alltag als Jugendleiter und Trainer – zwischen Training, Spielen, Organisation, Elterngesprächen und ganz viel Ehrenamt.
Freitag, 16:00 Uhr. Feierabend.
Zumindest für viele Menschen.
Für zahlreiche ehrenamtliche Trainerinnen, Trainer, Betreuerinnen,
Betreuer und Vereinsverantwortliche in den unterschiedlichsten
Sportarten beginnt jetzt oftmals erst der zweite Teil des Tages.
Bei mir dreht sich dabei fast alles um den Fußball – als Trainer
auf dem Platz und als Jugendleiter oft auch noch lange danach.
24 Kinder, zwei Trainer – und ganz viel Fußball
In unserer WhatsApp-Gruppe haben 18 Eltern ihre Kinder für das G-Jugend-Training angemeldet. Als es losgeht, stehen plötzlich 24 Kinder auf dem Platz.
Kann passieren. 😊
Unser zweiter Trainer ist an diesem Tag nicht dabei. Auch das passiert. Wir machen das schließlich alle ehrenamtlich, haben Familien, Berufe und private Termine.
Zum Glück springt ein Vater ein und unterstützt mich. Wir teilen die Kinder in zwei Gruppen auf.
Ideal wären bei 24 Kindern eigentlich drei oder sogar vier Gruppen. Aber wir machen das Beste daraus.
Um 17:30 Uhr endet das Training. Die Kinder haben gelacht, gespielt, sich bewegt und hoffentlich wieder ein bisschen mehr Freude am Fußball gefunden.
Alle hatten Spaß. Super. Denn gerade bei unseren Kleinsten ist genau das schließlich das Wichtigste.
Feierabend?
Noch lange nicht.
Unsere F4 braucht für ihr Spielfest am Sonntag Trikots. Also kümmere ich mich darum.
Danach folgt noch ein kurzer Trainer-Plausch über unser anstehendes Fußballcamp in den Herbstferien.
Und natürlich gehören auch ein paar Elterngespräche dazu.
Solche Gespräche gehören dazu und werden selbstverständlich ernst genommen.
Gleichzeitig ist mir als Jugendleiter aber auch etwas ganz wichtig: Ich stehe zu 100 Prozent hinter meinen Trainerinnen und Trainern und ihren sportlichen Entscheidungen.
Sie investieren Woche für Woche ihre Freizeit für die Kinder. Und wer gerne noch mehr Einfluss auf Trainingsinhalte, Mannschaftsentwicklung oder andere Themen nehmen möchte, ist jederzeit herzlich eingeladen, selbst als Trainer oder Betreuer mitzumachen. 😉
Aus dem eigentlichen Trainingsende um 17:30 Uhr ist inzwischen ganz unbemerkt 19:45 Uhr geworden.
Auf dem Platz spielt unsere A-Jugend.
Naja – wenn ich sowieso schon hier bin, kann ich mir auch noch die erste Halbzeit anschauen.
Natürlich trifft man dabei alte Freunde und ehemalige Mitspieler. Es wird geredet, gelacht und jede Menge Unsinn erzählt.
Und genau das gehört genauso zum Fußball.
In der Halbzeit schaffe ich es tatsächlich, nach Hause zu fahren – obwohl es noch 0:0 steht.
Darauf bin ich ein kleines bisschen stolz. 😄
Als Erster auf dem Sportplatz
Am nächsten Morgen bin ich um 7:30 Uhr der Erste auf unserem Sportplatz in Stierstadt.
Für das F-Jugend-Spielfest müssen drei Spielfelder aufgebaut werden.
Und ganz ehrlich: Diese paar Minuten ganz alleine auf einem komplett ruhigen Sportplatz sind etwas Besonderes.
Kein Ball fliegt durch die Gegend.
Kein Kind ruft.
Kein Trainer sucht Leibchen.
Kein Elternteil hat gerade eine Frage.
Einfach nur Ruhe.
Ich genieße das tatsächlich.
Lange hält diese Ruhe allerdings nicht an.
Weiter zur G-Jugend
Um 8:00 Uhr geht es weiter zum Auswärtsspiel unserer G-Jugend. Treffpunkt ist um 8:30 Uhr, Beginn um 9:00 Uhr.
Ich teile die Teams ein und begleite die Kinder beim Start des Spielfestes.
Den Eltern hatte ich vorher bereits angekündigt, dass ich früher wieder weg muss.
Denn um 10:00 Uhr wartet bereits die nächste Mannschaft auf mich – an einem anderen Ort.
Von der G-Jugend direkt zur D-Jugend
Unsere D-Jugend spielt auswärts.
Der eigentliche Trainer der Mannschaft ist auf einer Weiterbildung. Da ich die Spieler alle kenne, springe ich natürlich gerne ein.
Kurz vor Spielbeginn schaue ich noch einmal nach, welche Spiele unserer Jugendmannschaften an diesem Samstag noch anstehen.
Dabei fällt mir auf:
Die C-Jugend spielt um 13:30 Uhr – und es ist kein Schiedsrichter angesetzt.
Okay.
Ein paar WhatsApp-Nachrichten später ist zum Glück jemand gefunden, der das Spiel übernimmt.
Problem gelöst.
Dann kann endlich Fußball gespielt werden.
Das D-Jugend-Spiel läuft erfreulich ruhig und fair ab. Unsere Jungs machen ein gutes Spiel und gewinnen souverän.
Lange darüber freuen kann ich mich allerdings nicht.
Denn das nächste Spiel wartet bereits.
Trikots fehlen? Dann eben noch einmal zurück
Unsere C-Jugend spielt wiederum an einem anderen Ort.
Vor der Weiterfahrt schaue ich noch einmal aufs Handy.
Nachricht:
Einigen Spielern fehlen Trikots.
Also nicht direkt zur C-Jugend, sondern erst einmal wieder zurück nach Stierstadt.
Andere Trikots holen.
Einpacken.
Weiterfahren.
Während der Fahrt folgt das nächste Telefonat.
Ein Elternteil ist mit einem Trainer unzufrieden und möchte darüber sprechen.
Auch das gehört zur Aufgabe eines Jugendleiters.
Zuhören, unterschiedliche Sichtweisen verstehen, Dinge einordnen und versuchen, gemeinsam eine vernünftige Lösung zu finden.
Als ich bei der C-Jugend ankomme, bin ich erst einmal erleichtert.
Ein Elternteil eines Spielers, mit dem ich sowieso regelmäßig im Austausch bin, hat vor Ort bereits einiges organisiert.
Da ich mehrere Mannschaften begleite und eben nicht überall gleichzeitig sein kann, ist solche Unterstützung unglaublich wertvoll.
15 Minuten vor Spielbeginn bin ich da.
Schnell die neuen Trikots verteilen, kurz organisieren – dann geht es los.
Sportlich läuft es dieses Mal leider weniger gut.
Wir gehen zwar zunächst in Führung, verlieren am Ende aber deutlich.
Während das Spiel noch läuft, beginnt es bei mir im Kopf schon wieder zu arbeiten:
Wo liegen unsere Defizite?
Was müssen wir im Training verbessern?
Wie können wir die Jungs unterstützen?
Trainer bleibt man eben auch während einer Niederlage.
Eigentlich müsste jetzt langsam Feierabend sein
Um 14:45 Uhr ist das Spiel vorbei.
Jetzt noch schauen, wer die Trikots mitnimmt, ob alles ordentlich hinterlassen wird und ob jeder weiß, wie es weitergeht.
Dann endlich ins Auto.
Auf dem Heimweg fällt mir auf, dass mein Tank fast leer ist.
Wie viele Kilometer bin ich heute eigentlich gefahren?
Keine Ahnung.
Aber definitiv zu viele für ein Ehrenamt. 😄
Und natürlich klingelt wieder das Handy.
Dieses Mal meldet sich ein Trainer.
Er ärgert sich über ein Elternteil, das während eines Spiels seiner Meinung nach zu lautstark über die Leistung der Mannschaft gemeckert hat.
Also wieder:
Zuhören. Einordnen. Besprechen. Hilfe anbieten.
Um 15:15 Uhr komme ich schließlich zu Hause an.
Feierabend?
Fast.
Da beim C-Jugend-Spiel kein offizieller Schiedsrichter angesetzt war, muss noch die Schiedsrichtermeldung im DFBnet erledigt werden.
Um 15:45 Uhr ist schließlich auch das geschafft. Und genau jetzt merke ich plötzlich: Ich habe heute noch gar nichts gegessen.
Seit 7:30 Uhr unterwegs.
Mehrere Mannschaften.
Mehrere Sportplätze.
Jede Menge Gespräche, Autofahrten, Trikots, WhatsApp-Nachrichten und DFBnet.
Und Essen ist dabei irgendwie komplett untergegangen.
Dann fällt mir auch noch ein:
Einkaufen müsste ich ebenfalls noch.
Und der Haushalt wäre wahrscheinlich auch ganz dankbar, wenn sich irgendwann jemand um ihn kümmern würde.
Aber zunächst sitze ich einfach ein paar Minuten zu Hause und genieße die Ruhe.
Denn seit früh am Morgen waren permanent Spieler, Eltern, Trainer, Geschwisterkinder und jede Menge Fußball um mich herum.
Und Kinder sind bekanntlich auch nicht immer ganz leise. 😉
Warum macht man das eigentlich?
Diese Frage könnte man nach so einem Tag durchaus stellen.
Die Antwort ist für mich trotzdem ziemlich einfach:
Weil ich es gerne mache. Weil ich Fußball liebe. Und weil es unglaublich schön ist, Kinder über Jahre bei ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen. 💙⚽
Weil aus kleinen G-Jugend-Spielern irgendwann Jugendliche werden – und aus manchen später sogar Spieler unserer ersten oder zweiten Mannschaft. Einer von ihnen hat es inzwischen sogar bis in den Profifußball geschafft.
Weil man miterlebt, wie Freundschaften entstehen.
Weil Kinder sich verbessern, Selbstvertrauen entwickeln, Verantwortung übernehmen und Teil einer Mannschaft werden.
Weil man gemeinsam gewinnt – und genauso gemeinsam verliert.
Und weil ein Fußballverein eben sehr viel mehr ist als Training, Ergebnisse und Tabellen.
Er ist Begegnungsort, Gemeinschaft und manchmal fast ein zweites Zuhause.
Ach ja – Sonntag ist ja auch noch
Was steht morgen eigentlich an?
Ach ja.
Mein Hauptteam spielt zu Hause – die Mannschaft, die ich schon seit der F-Jugend begleite.
Das wird bestimmt wieder lustig.
Danach spielen noch unsere zweite und erste Seniorenmannschaft.
Die werde ich mir höchstwahrscheinlich ebenfalls anschauen.
Also wieder ein langer Tag.
Aber diesmal darf ich zwischendurch vielleicht tatsächlich einfach einmal Zuschauer sein.
Mit Freunden am Sportplatz stehen.
Fußball schauen.
Und wahrscheinlich jede Menge dummes Zeug reden.
Und ganz ehrlich:
Auch genau das gehört zum Vereinsleben dazu.
